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Presse


Der Beitrag zu unserem Titelbild

Seltene «Fellnasen» aus Englands Norden

Seit zehn Jahren sind Fellponys ständige Begleiter im Leben von Corinne Stotzer. Im Mai ist sie mit ihrer bekannten Zucht «vom Birnbaum» aus dem Emmental ins sanktgallische Linthgebiet, nach Schänis, umgezogen. Dort plant sie den Ausbau ihrer Zucht und die weitere Förderung der seltenen Ponyrasse aus dem gebirgigen Norden Englands.

Früher war sie im Springsport engagiert sowie in der Zucht von arabischen Pferden. Alsbald fasziniert vom ausgeglichenen Wesen und der robusten Schönheit der Fellponys half Corinne Stotzer, als Pioniere die ersten Exemplare in die Schweiz importierten, diese Rasse hierzulande zu etablieren und bekannt zu machen. Auch begann sie die vielseitigen Ponys selber zu züchten. Mehrmals reiste sie nach England und besuchte einige Gestüte, um sich am Ort des Ursprungs ein Bild über die verschiedenen Linien und Anpaarungen zu machen. «Beim Besuch von erfahrenen Fellpony-Züchtern habe ich gelernt, worauf zu achten ist, damit aus einer Anpaarung ein typvolles Fohlen entspringen kann.» Qualität, nicht Massenvermehrung, hat sie sich als Anspruch auf die Fahne geschrieben.
Corinne Stotzer schätzt sich glücklich, in zehn Jahren neun Fellpony-Fohlen verkauft zu haben. Darunter auch der gekörte Schimmel-Hengst Tjamo vom Birnbaum, der im «Chnabberstall» in Unterlunkhofen AG deckt. «Mir ist ein guter Platz für meine Ponys sehr wichtig. Manchmal ist es hart, sie wegzugeben. Schön ist, dass der Kontakt zu den meisten der neuen Besitzer erhalten bleibt und ich mich über Rückmeldungen, wie es den Fohlen geht und wie sie gedeihen, freuen kann.»

Bewegte Geschichte

Seit der Römerzeit wird das Fellpony als eigenständige Rasse gezüchtet. Die britischen Hill Ponys im Norden Englands waren seine Vorfahren. Benannt nach den Gebirgszügen der englischen Grafschaft Cumbria, The Fells, diente es Bergbauern und Schafhirten zuerst als trittsicheres Reittier in den schwer zugänglichen Gebieten.
Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die Fellponys für die Arbeit in Bergwerken und Bleiminen eingesetzt. Mit bis zu einhundert Kilogramm beladen, bewältigten die Ponys Strecken bis zu 400 Kilometern von den Minen in die Hafenstädte. Ihr Bestand ging dann aufgrund der Technisierung stark zurück. Zwischen den beidenWeltkriegen soll es nur noch fünf Hengste gegeben haben. 1960 galt das Fellpony als vom Aussterben bedroht. Heute wird die Rasse vom Rare Breeds Survival Trust als gefährdet aufgeführt. Durch seine Vielseitigkeit bewährt es sich auch als Fahrpony und dank seines kräftigen Körperbaus ist es auch für Erwachsene als Reittier gut geeignet.
Acht Fellponys bilden derzeit den Bestand des «vom Birnbaum»-Gestüts. Allen voran die beiden Zuchthengste. John, ein 13-jähriger Rappe, nennt Corinne Stotzer seit diesem Frühjahr ihr Eigen. «Er stammt von Drybarrows Jeff ab. Mein Herz schlägt für diese Linie, ich bin ein richtiger Fan», sagt sie. «John ist wunderschön, sein Exterieur perfekt, dazu hat er auch einen guten Charakter. Ein Traum, ihn bei mir zu haben.» Zwecks Blutauffrischung hat sie beschlossen, den zweiten Hengst, Heltondale Norman, ein 15-jähriger Schimmel, zu verkaufen. Seit sechs Jahren ist er bei ihr und hat in dieser Zeit einige sehr schöne Fohlen gezeugt. Allenfalls möchte sie ihn durch einen neuen Hengst einer anderen Linie ersetzen.

Drei Zuchtstuten

Zum Männervolk gesellen sich die drei Zuchtstuten Townend Candy (14, mit Stutfohlen Night Wish, V: John, bei Fuss), Alisha (7, mit Hengstfohlen Little Joe, V: Norman) und die an Shows besonders erfolgreiche Glamour. Mit Crianza vom Birnbaum (V: Norman, M: Candy) tummelt sich auch eine eineinhalbjährige Jungstute in der Herde. Und nicht zu vergessen Shetty-Mix Twista, eine brave Scheckstute - der Liebling der Kinder. Corinne Stotzer ist Mutter der beiden Töchter Céline (12) und Michaela (5), die mit Begeisterung im Stall anpacken und sich um die Ponys kümmern.

Schöne Charakterponys

Fellponys sind robust und leichtfuttrig. Ihr Wesen ist ausgeglichen, freundlich und intelligent. An Fellfarben sind bei den 130 bis 142 Zentimeter grossen Ponys vor allem Rappen, aber auch Schimmel, Dunkelbraune und Braune vertreten. Die schwarze Farbe geht auf die von den Römern eingekreuzten Friesen zurück, die Schimmelfarbe wurde durch die Zisterzienser-mönche gezüchtet. Weisse Abzeichen sind nur limitiert in der Zucht zugelassen. «Bis zu drei werden in England geduldet, Ponys, die mehr aufweisen, fallen aus der Zucht.»
Das Fellpony wird ausserhalb Grossbritanniens auch in Deutschland, Holland, Frankreich, Österreich, Tschechien, den USA und der Schweiz gezüchtet. «Auch Queen Elizabeth züchtet Fellponys», sagt Corinne Stotzer. Man geht aktuell von einem weltweiten Bestand von etwa 4000 Tieren aus. Gut 150 Hengste sind vom Zuchtverband, der Fell Pony Society, anerkannt sowie etwa 300 bis 400 Zuchtstuten.
«Mit einem Preis von bis zu 12 000 Franken ist ein schönes, gut ausgebildetes Fellpony eher teuer», stellt sie einen Vergleich zu anderen Ponyrassen an. Absetzer sind da bedeutend günstiger zu kaufen. «Ich verlange zwischen 1800 und 2000 Franken, wie gesagt: Priorität hat für mich der gute Platz.» Das Fellpony gehört zu den vom Schweizerischen Verband für Ponys und Kleinpferde betreuten Rassen. Corinne Stotzers Tiere sind zudem im Fellpony-Mutterstutbuch in England registriert.
Die Konkurrenz unter den Fellpony-Züchtern in der Schweiz sei gross. Vor allem im Kanton Bern gebe es gleich mehrere Gestüte. Auch deshalb sei es gut für die Rasse, dass sie nun in einer neuen Gegend wirke. Corinne Stotzer ist im Mai nach Schänis umgezogen. Dort konnte sie von Fritz Landolt den Stall eines Bauernhauses mieten und gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Joe Schnider ponygerecht umbauen. Sattgrüne, ebene Weiden umgeben den Stall, in dessen unmittelbarer Nähe das Paar wohnt, und bieten weiten Blick auf die Linthebene, die zum Ausreiten wunderbar geeignet ist. Schritt für Schritt, zu einem späteren Zeitpunkt, seien Sattelkammer, Reiterstübli und ein Sandviereck geplant. Zum Glück ist ihr 40-jähriger Partner, von Beruf Servicetechniker in der Heizungsbranche, handwerklich begabt und motiviert, die Zukunftspläne umzusetzen. «Eventuell möchten wir dann auch Ponyreiten und Infotage für Kinder anbieten», sagt er.
Punkto Ausrichtung ihrer Fellpony-Zucht hat Corinne Stotzer klare Vorstellungen. «Fellponys sind eigentlich Kaltblüter, aber da sie aufgrund der heutigen Zucht in ihrem Körperbau immer feiner werden, ist das fast nicht mehr zu erkennen.» Ihr Ziel ist, irgendwann nur noch mit selber gezüchteten Ponys zu züchten. «Dabei möchte ich den ursprünglichen, etwas robusteren Typ erhalten.»

Ruth Müller


www.fell-pony.ch
www.fellponysociety.org.uk


Heimtückisches Fell-Fohlen-Syndrom


Die Zucht erleidet jedes Jahr Verluste durch das Fell-Fohlen-Syndrom. Betroffene Fohlen kommen scheinbar gesund zur Welt, sterben aber meist im dritten Lebensmonat an dieser mit hoher Wahrscheinlichkeit genetisch bedingten Immunschwäche. Das Fell-Fohlen-Syndrom macht sich zwischen der dritten und sechsten Woche bemerkbar. «Zuerst mit Durchfall, allgemeiner Schwäche, Fressunlust und Husten», weiss Corinne Stotzer, deren Zucht davon nicht verschont blieb. Zweimal hatte sie bislang ein erkranktes Fohlen. «Es gibt wohl keine Zuchtlinie, die nicht schon betroffen war. Die Züchter reden nicht gerne darüber. In England heisst es dann einfach, man hatte kein Fohlen, wenn eines daran gestorben ist.»
Der genaue Auslöser konnte noch nicht sicher bestimmt werden. «Es wird vermutet, dass eine unglückliche Gen-Kombination von Vater und Mutter die Ursache ist. Beide Elterntiere müssen Träger des Syndroms sein und ausgerechnet dieses Gen weitergeben.» Die Forschung läuft, und es ist zu hoffen, dass sie dem Grund bald auf die Spur kommt, um den Fellponys und ihren Besitzern künftiges Leid zu ersparen.

Ruth Müller
Tierwelt, Nr. 37, 2009



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